Der Kampf um den Wein

Morgenfrost sorgt für Schäden


Die vergangenen Wochen waren für Weinbauern eine echte Frost-Katastrophe. Der März und die erste Aprilhälfte waren frühlingshaft mild mit deutlich überdurchschnittlichen Temperaturen und genau deswegen entfaltete sich die Vegetation in ganz Europa wesentlich früher als sonst. Der rekordverdächtige Wintereinbruch der letzten Wochen traf die Blüten und Knospen in ihrer schwächsten Phase. Im Norden und Osten Frankreichs, in Deutschland, Italien und in der Schweiz wurden verbreitet -3 bis -7 Grad gemessen. Schon wenige frostige Stunden können an einer Weinrebe extreme Schäden verursachen.


Feuer und Eis helfen den Bauern:

Um die Pflanzen vor dem Frost zu schützen, haben die Bauern zwei Möglichkeiten, die gegensätzlicher kaum sein könnten. Einerseits werden nachts hunderte Frostkerzen oder Gaskocher angezündet, um die Luft im Bereich der Pflanzen zu erwärmen. Bei der zweiten Methode werden die Pflanzen tagsüber durchnässt: Wenn das Wasser dann im Laufe der Nacht gefriert, wird eine kleine Wärmemenge ausgestrahlt. Die vereisten Knospen sind dann bis zum Morgen geschützt. Beide Methoden sind aber nicht günstig. Die Kosten betragen jeweils etwa 4000 Euro pro Hektar und Nacht.

Einige Produzenten berichteten, die Frostschäden seien die schlimmsten der letzten 40 Jahre. Für einige Betriebe wurde die Ernte gänzlich zerstört. „Solche Verluste bedrohen die Existenz einiger dieser Betriebe. Zusätzlich sind Versicherungen nicht für diese Risiken verantwortlich in solchen Situationen, und es sollten die Produzenten selbst sein, die Vorsichtsmaßnahmen gegen den Frost einleiten,“ erklärt einer unserer Winzer vor Ort.

Wir haben mit vielen unseren Partnerweingütern gesprochen, inwieweit Sie die Frostschäden in den Regionen beurteilen.

Spanien

Die schwerwiegendsten Folgen zeigten sich in Spanien im Bierzo, den Gebieten Galizien, Castilla y Leon – einschließlich Rueda und Ribera del Duero – und der Rioja Alta und Alavesa: Der Frost kam dieses Jahr nach einem ungewöhnlich warmen Frühling. Dies hatte zur Folge dass die Pflanzen bereits 2-3 Wochen früher als üblich ihre Knospen trugen. Es sind diese jungen Triebe, die besonders anfällig für Frostschäden sind.

Der Winzer Fernando Mora zieht sein Resumee: „Von dem, was ich gesehen habe, ist der Schaden in Rioja Alta, Galizien und Bierzo am größten. Nach aktuellen Schätzungen ist mit 50-60% weniger Ernte im Bierzo zu rechnen. Auch sind die Gebiete Valtuille, Cacabelos und Camponaraya betroffen. Hier sind bis zu 80 % der Ernte verloren gegangen.

Frankreich

Neben der Champagne scheint in Frankreich auch das Languedoc und Bordeaux betroffen. Von der Flussmündung angefangen nehmen die Schäden landeinwärts immer weiter zu. Besonders stark betroffen sind die Regionen Listrac und Moulis, hier sind mit Ausfällen von 35-40 Prozent zu rechnen. In Pessac-Léognan sind die Schäden geringer und lägen bei etwa 10-15 Prozent.

Italien

Für Norditalien kam das Unheil gleich im Doppelpack. Erst wurden die nördlichen Regionen vom Hagel getroffen und kurz darauf vom Frost heimgesucht. Dieser kam aus Romagna und zog dann weiter nach Piemont und von der Lombardei nach Venetien. Die Temperaturen fielen in vielen Gegenden auf 0 Grad. Vor allem in der Toskana sorgten vielerorts Tiefstwerte von -1 bis -3 Grad für zahlreiche Schäden an den weltberühmten Chianti-Weingärten. In Italien arbeiten die Weinbauer teilweisen mit Windkraftanlagen auf den Feldern, sie vermischen die Luft, so dass die kälteren Schichten an der Unterseite mit wärmerer Luft kombiniert werden.

Die nächsten Wochen werden entscheidend für die Bestimmung der endgültigen Auswirkungen auf die Ernte 2017 sein, da einige Reben in der Lage sein sollten, nachzuwachsen und sich zu regenerieren.

Dies ist allerdings auch von der Menge des Niederschlages abhängig, da bereits viele Regionen (vor allem in Spanien und Italien) nach dem trockenen Winter unter Dürre zu leiden haben. Den Pflanzen stehen daher nur wenig Ressourcen für eine zweite Knospung zur Verfügung. Zudem ist nicht garantiert dass die neuen Triebe Früchte produzieren werden. Die Trauben die wachsen werden zudem eine längere Zeit zum Reifen benötigen um eine heterogene Ernte zu garantieren. Es ist zudem mit beutend geringeren Erträgen zu rechnen da die angeschlagenen Rebstöcke nur 1 bis 2 anstelle von 6 bis 8 Traubenbündel produzieren.

Die Situation in den betroffenen Weingütern sind angespannt. In den betroffenen Regionen ist für den nächsten Jahrgang mit deutlichen Preissteigerungen zu rechnen. Aktuell versuchen wir die für dieses Jahr zugesagten Preise zu halten.

Wir werden die Situation weiterhin genau beobachten und unsere Kunden über alle Veränderungen auf dem Laufenden halten, die sich aus den schwierigen Wetterbedingungen ergeben könnten.